Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Himmelsfern (Jennifer Benkau) - Rezension


Verlag: script5
Hardvover
ISBN: 978-3-8390-0143-1
Seiten: 496
Preis: 18,95 €
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Es war nicht ungewöhnlich, dass man in unserem Block so miteinander sprach, aber für uns hatten anderen Regeln gegolten. Wir hatten immer respektvoll miteinander geredet, sogar im Streit, dadurch war unsere Freundschaft etwas Besonderes gewesen.
(Seite 161)

In diesem Moment lernte ich etwas, das ich zuvor nicht nicht zu begreifen imstande gewesen war, weil sich manches erst verstehen lässt, wenn man es selbst erlebt. Ich lernte, dass das Gefühl, jemanden zu lieben, nichts mit Zärtlichkeit zu tun haben muss. Ganz im Gegenteil, es kann gewaltsam sein, brutal und quälend, von tausend Zweifeln durchsetzt.
(Seite 202/203)

Ich zähle nicht zu den Menschen, die bei Astro-TV anrufen. Aber ich glaube an Schicksal. Daran, dass Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen. Alles spricht dafür, oder? Und ich glaube an Sterne, ja. Sie zu beobachten bringt uns dem Himmel nah, ohne dass wir die Füße vom Boden nehmen müssen.
(Seite 241)

"Was passiert, wenn ein Stern runterfällt?" flüsterte ich. "Dann geht einer unserer Fixpunkte verloren. Deshalb müssen wir uns etwas wünschen, wenn das passiert. Damit ein neuer aufleuchtet. Wusstest du nicht, dass jeder aufrichtige Wunsch irgendwo da draußen einen neuen Stern entstehen lässt?"
(Seite 242)


Noa ist ein ganz normaler Teenager, mit einem außergewöhnlichen Hobby, dem Tanz mit den brennenden Poi. Hier kann sie sich komplett fallen lassen und der allgegenwärtigen Gefahr sich zu verletzen, mutig ins Auge blicken.

Durch ein U-Bahn Unglück bei dem sie trotz Warnung involviert ist, lernt sie Marlon kennen. Der geheimnisvolle Fremde übt eine fast schon magische Anziehung auf sie aus. Noa verliebt sich in Marlon, obwohl sie weiß, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt ist. Sie lässt sich mit Haut und Haaren und mit all ihren Gefühlen auf ihn ein. Doch bald schon wird Marlon alles vergessen! Wird er Noa vergessen! Oder gibt es doch noch eine Möglichkeit die Erinnerungen an sie aufrecht zu erhalten?


Von ihrer einzigartigen und wundervollen Art zu schreiben, hat mich Jennifer Benkau bereits durch Dark Canopy und Dark Destiny vollkommen überzeugt, und so war natürlich schnell klar, ich muss "Himmelsfern" lesen. Alleine der Titel klingt schon so geheimnisvoll, da man sich darunter sehr viel, aber dennnoch eigentlich nichts konkretes vorstellen kann. Bereits der Beginn der Geschichte ließ mich unglaublich gespannt auf das blicken, was nun folgen würde.

Noa hört eine Stimme in ihrem Kopf, die sie davor warnt, eine U-Bahn zu betreten. Doch trotz der Warnung, steigt sie in diese Bahn, welche daraufhin kure Zeit später entgleist. Einem blonden jungen Mann hat Noa es zu verdanken, dass sie mit einer verstauchten Hand und einigen Prellungen davon kommt.
Noa macht sich auf die Suche nach ihrem "Schutzengel" und lernt dadurch Marlon kennen, der ihr Leben gehörig auf den Kopf stellt. Denn plötzlich erfährt und sieht die junge Frau Dinge, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Ihr Leben verändert sich grundlegend, denn durch Marlon entwickelt Noa eine vollkommen andere Sicht auf die Welt.

Mysteriös wäre wohl das erste Wort, welches mir einfallen würde, wenn ich Himmelsfern mit einem Einzigen beschreiben müsste. Denn man weiß als Leser sehr lange nicht, wer oder was Marlon ist. Jennifer Benkau lies mich hier für eine ganze Weile im Dunkeln. Und auch wenn ich dann so eine Ahnung hatte, mir sogar ziemlich sicher war, zu 100 Prozent konnte ich es natürlich nicht wissen. Und so habe ich gelesen und gelesen, bis ich ca. bei der Hälfte des Buches endlich Gewissheit hatte. Diese Gewissheit wurde allerdings von der Traurigkeit dessen, was nun auf mich bzw. auf Noa und Marlon zukommen würde überschattet. So war es für mich absolut unmöglich "Himmelsfern" beiseite zu legen, bis ich es sehr spät Abends mit Tränen in den Augen, absolut zufrieden beenden konnte.

Mit Noa und Marlon hat Frau Benkau Protagonisten geschaffen, die beide sehr tiefgründig und facettenreich sind. Noa ist eine sehr taffe junge Frau, die alles andere als auf der Sonnenseite des Lebens steht. Ihr kleiner Bruder starb an Kindstod, die Beziehung zu ihrer Mutter hat sich seither komplett verändert, dennoch hat Noa zwei starke Stützpfeiler in ihrer Familie, ihren Vater und ihre Oma. Außerdem eine tolle Freundin und einen besten Freund, die ihr Halt geben. Die Erlebnisse aus ihrer frühesten Kindheit haben Noa zu einem sehr empfindsamen und gefühlvollen Menschen werden lassen. Sie weiß was sie will und hält unerschütterlich und von Optimismus geprägt daran fest. Noa lässt sich nicht unterkriegen, sie kämpft bis zum Schluss. Kurzum ein toller Charakter, den ich von der ersten Seite an sehr mochte.

Marlon ist zu Beginn der eher klischeehafte junge Mann, geheimnisvoll, seine Taten sind mysteriös und zunächst schwer nachvollziehbar, er ist öfter wütend und gereizt. Noa und Marlon fühlen sich beinahe magnetisch von einander angezogen, sollten sich eigentlich nicht ineinander verlieben, können aber dennoch nicht voneinander lassen!!! Trotzdem machte mich der weitere Verlauf der Geschichte und vor allem Marlon sehr neugierig, wohl auch deshalb, weil er längere Zeit schwer einzuordnen ist. Marlon entwickelte sich natürlich weiter, er wurde zum großen Beschützer und lies Noa sein wahres Ich entdecken. Die Liebe der Beiden wächst und überstrahlt beinahe das drohende, so unausweichliche Schicksal, auf welches Marlon unweigerlich zusteuert.

In der Zeit, bis das Geheimnis um Marlon gelüftet wurde, hätte ich ihn des Öfteren am Liebsten geschüttelt und ihn gezwungen mir/ Noa endlich die Wahrheit zu erzählen. Da diese aber doch im ersten Moment unglaubwürdig und befremdlich erscheint, war Marlons Vorgehensweise Noa gegenüber letztendlich absolut nachvollziehbar. Es gab dennoch auch eine Passage, und ein darauf folgendes Ereignis, welches mich ein wenig verwirrt und etwas ratlos zurück gelassen hat. Wahrscheinlich sieht dies aber auch wieder jeder anders, so bin ich besonders hier, auf die Meinung anderer Leser gespannt.

Jennifer Benkaus Schreibstil ist wie gewohnt sehr atmosphärisch, düster, gefühlvoll, bildlich, zu Herzen gehend und absolut hervorragend der Geschichte angepasst, welche zum Teil definitiv etwas seltsam ist. Seltsam und anders, aber auf eine gute Art und Weise. Ich lese viel lieber Bücher, die zum Großteil unvorhersehbar sind, die mich berühren, überraschen und nachdenklich machen. Die mich mit Unglauben und Verwunderung auf die Buchseiten starrend, mit einem nachhaltigen Eindruck zurücklassen.

Erzählt wird die Geschichte, ganz so wie ich es mag, aus Noa´s Sicht. Ebenfalls sehr erwähnenswert sind die einzelnen Kapitel, die in "Himmelsfern" in Lektionen unterteilt sind. Unter jeder Lektion stößt man auf einen kleinen "Satz", der das kommende kurz beschreibt, ein bisschen so, wie es der Leser von der "Dark-Dilogie" kennt. Das Cover passt auch ganz hervorragend zum Inhalt, und das Rosa liebe ich sowieso!

Das Ende ist ganz so, wie ich es mir erhofft und gewünscht habe. Es hat mich sehr berührt und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.


Jennifer Benkau hat mit "Himmelsfern" ein weiteres faszinierendes Buch geschrieben, welches voller Geheimnisse und Gefühl steckt. Wer nach einer besonderen, mysteriösen und definitiv anderen Geschichte sucht, sollte sich "Himmelsfern" nicht entgehen lassen. Ein absolutes Must-Read für alle Fans der Autorin und ihres großartigen Schreibstils. 

Ich vergeben begeisterte 4/5 Flügeln.


Kommentare:

  1. Sehr schön beschrieben... Und über den Schreibstil sind sich ja definitiv ALLE einig <3

    Ganz viele Küsse

    Steffi

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    1. danke Süße :-* ja das sind wir uns echt <3

      Ganz viele Küsse zurück <3

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  2. Hmm ich weiß nicht ob ich mir das Buch zulegen soll oder nicht, da ich nicht so recht weiß ob ich mich darauf einlassen könnte. Und ich finde die Kurzbeschreibung auch etwas komisch, ich verstehe gerade gar nichts xD
    Na mal sehen, was die anderen Rezensionen dazu sagen, aber deine Meinung macht mich ja schon etwas neugierig.

    Liebe Grüße!

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    1. Es ist definitiv anders und auch seltsam, aber besonders. Hast du denn schon was von Jenny gelesen?

      Danke dir du Liebe <3

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  3. Ich bin jezt schon ein paar Mal über das Buch gestolpert... du hast recht, der Titel klingt toll! Vielleicht sollte ich einfach mal reinlesen :-)
    Liebe Grüße
    Angela

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    1. Ich hoffe es gefällt dir, es ist echt ein besonderes Buch :)

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  4. Eine tolle Rezi meine süße!!
    Ich lese es ja gerade und liebe es <3
    Bin echt mal gespannt was es mit Marlon auf sich hat :D Deswegen gehe ich jetzt schnell weiterlesen^^

    Hab dich lieb,
    Julchen <3

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    1. Danke meine Süße <3
      Ich bin ja soooo gespannt, was du ganz am Ende zum Buch sagst :-*

      Ich hab dich auch lieb <3

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