Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Egal wohin - Franziska Moll - Rezension

http://www.loewe-verlag.de/titel-1-1/egal_wohin-7364/

Verlag: Loewe
Hardcover
ISBN: 978-3-7855-8022-6
Seiten: 221
Preis: 12,95 €
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Er strahlt. Auch wenn ich nur seine Rückseite sehe, weiß ich, dass er strahlt. Dass aus seinen Augen Funken sprühen. 
(Seite 132)

"Wir neigen alle dazu, blinde Flecken bei uns selbst zu haben. Wir sollten lernen, den Menschen, die uns nah sind, zu vertrauen. Ihrem Urteil zu vertrauen".
(Seite 178)


Jo fiebert ihrem 18. Geburtstag entgegen, denn das ist der Tag, an dem sie nach Kreta auswandern wird, der Tag an dem sie ihr so verhasstest Elternhaus für immer verlassen kann. Mit ihrem Kollegen, den alle nur Koch nennen, und mit dem Jo in einem Restaurant arbeitet, will sie sich in Kreta eine eigene Existenz in Form eines Lokals aufbauen. Doch plötzlich ist Koch spurlos verschwunden und so nimmt die junge Frau Amar, den Spüljungen auf einmal mehr, und auf ganz andere Weise wahr. Die Jugendlichen lernen sich näher kennen, trotzdem zählt Jo weiterhin die Tage, denn sie ist sich ganz sicher, dass Koch an ihrem Geburtstag zurück kommen wird. 


Da ich bisher noch kein Buch der Autorin Franziska Moll gelesen habe, war ich sehr gespannt darauf, und hatte so gar keine Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Gleich zu Beginn der Geschichte lernte ich Jo (Johanna) kennen. Jo ist definitiv keine typisch sympathische Protagonistin, sie ist launisch, zynisch, ist von ihren Eltern extrem genervt, und muss ihren Platz in der Welt noch finden. Erst im weiteren Verlauf des Lesens erfuhr ich, warum Jo zum einen in Psychiatrischer Behandlung ist, und warum sie solche starken Hassgefühle gegen ihre Eltern hegt. Sie ist auch zu ihren Mitmenschen extrem patzig, stößt diese regelrecht von sich und lässt außer Koch auch niemanden an sich heran. Zunächst fand ich ihr Verhalten schon etwas extrem, mir wurde allerdings schnell klar, warum Jo so ist, wie sie ist, und ich konnte absolut nachvollziehen, weshalb sie nach Kreta auswandern will. Für Jo gibt es nichts wichtigeres, als endlich frei und vor allem unabhängig von ihren reichen Eltern zu sein, die mit Geld zwar vieles kaufen, Jo´s Gefühle aber nicht erzwingen können. 

Jo ist wahnsinnig authentisch und echt, hinter ihrer harten Schale steckt ein weicher und verletzlicher Kern. Da sie in ihrem Leben sehr oft verletzt wurde, und einen heftigen Schicksalsschlag hinnehmen musste, schützt sie ihr Innerstes mit allem Mitteln. Jo ist lieber einsam und alleine, als wieder und wieder verletzt zu werden. Koch, der bereits um die 50 ist, ist für die 17 - jährige Johanna eher eine Art Ersatzvater als ein Freund. Die Beziehung der Beiden ist sehr ungewöhnlich, aber im Verlauf der Geschichte doch absolut begreifbar. Als Koch so plötzlich verschwindet, klammert sich Jo an den Gedanken, dass dieser ganz sicher an ihrem 18. Geburtstag wieder auftauchen, und wie versprochen mit ihr nach auswandern wird. 

Amar der bisher beinahe unsichtbare Spüljunge nimmt eher aus der Not heraus Kochs Platz im Restaurant ein. Doch Amar tut noch so viel mehr, er fängt Jo auf, er spürt ihre Verzweiflung, er lässt nicht locker, bis Johanna sich ihm langsam und vorsichtig ein wenig öffnet. Trotz der Grundtraurigkeit, die in "Egal wohin" vorherrschend ist, kommt der Humor nicht zu kurz. Jo´s Sarkasmus und Amars nicht immer korrekte deutsche Sätze, ließen mich des Öfteren tatsächlich grinsen. Mir gefiel diese zarte und zerbrechliche Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden Protagonisten anbahnte richtig gut. Da auch diese unheimlich echt, und der Gesamtsituation angepasst ist. Ein "mehr" hätte sich auch überhaupt nicht richtig angefühlt. Und so ist es dem Leser letztendlich selbst überlassen, wie er die Zukunft der Beiden sieht. 

Koch trägt ein Geheimnis in sich, was erst zum Schluss des Buches vollkommen aufgeklärt wird, und mich doch überrascht hat. Das Ende finde ich absolut passend, und so konnte ich "Egal wohin" auch vollkommen zufrieden abschließen. 

Franziska Moll´s Schreibstil der zum Großteil mit sehr knappen Sätzen aufwartet, spiegelt Jo´s Veralten und ihre Gefühle, die auf den ersten Blick doch recht kalt wirken, absolut wieder. Erst wenn man beginnt zwischen den Zeilen zu lesen und über die Geschichte nach zu grübeln, begreift man, dass noch so viel mehr in "Egal wohin" steckt.
 

"Egal wohin" von Franziska Moll ist ein sehr tiefgründiger Roman, der absolut zum Nachdenken anregt. Trotz der relativ schweren Kost, gibt es humorvolle Passagen, die die Geschichte auflockern. Amars und Jo´s zarte Beziehung fügt sich absolut passend in das Gesamtbild mit ein und verleiht dem Roman die Wärme und Geborgenheit, die in Johannas Leben so lange Zeit komplett gefehlt hat.

Von mir gibt es für 4/5 Flügel!

Kommentare:

  1. Ohh das Buch muss ich auch noch lesen ;)
    Auch wenn mich die Thematik nicht so anspricht, greife ich trotzdem zwischendurch zu solchen Storys, die mich dann meist positiv überraschen.
    Authentische Protagonisten gefallen mir immer besonders. Danke für die tolle Rezi. Jetzt freu ich mich richtig drauf.

    Lg Sassi aus der Tardis <3

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    1. Huhu liebe Sassi <3

      Ich mag genau diese Art von Storys zwischen drin einfach total gerne, weil sie einen berühren und nachdenken lassen.
      Sehr gerne, ich danke dir für´s Lesen und kommentieren :) Mir gefallen authentische Protagonisten auch immer am besten, weil man sich dann auch in sie hinein versetzten kann, selbst dann, wenn man selbst nie so handeln würde.

      <3 <3

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    2. Richtig. Schön eintauchen. In die Geschichte und den Personen. Dann erst, ist es ein richtig gutes Buch. Egal von was es handelt <3

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    3. Oh ja, da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen <3

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  2. Huhu Ally,
    das klingt super und ich glaube, ich sollte das Buch mal lesen. ;)
    Liebe Grüße
    Mandy

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    1. Huhu Mandy,
      ich denke du wirst "Egal wohin" auf jeden Fall mögen :)

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  3. Hallo Ally

    Eine tolle Rezension, die micht total neugierig auf das Buch gemacht hat.

    Liebe Grüße, Gisela

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    1. Hallo Gisela,

      vielen Dank das freut mich sehr :) Ebenso freue ich mich natürlich über deinen Kommentar.

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