Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Die Quersumme von Liebe - Katrin Zipse - Rezension

http://www.magellanverlag.de/

Verlag: Magellan
Hardcover
ISBN: 978-3-7348-5011-0
Seiten: 284
Preis: 16,95 €
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Ich wollte es nicht mehr. Dass jemand da war und zu meinem Leben gehörte, und im nächsten Augenblick war er weg und lies mich zurück. 
(Seite 79)

Helena, die mir am Tag ihres Abschieds einen Kieselstein aus ihrem Gartenteich in die Hand gelegt und gesagt hatte: "Das ist ein Symbol für dein unkaputtbares Selbst. Dass es etwas in dir gibt, das dich ausmacht und das dir niemand und nichts nehmen kann. Egal, was dir passiert".
(Seite 85)

Mir erklärte keiner etwas. Und eine Hand, die mich festhielt, gab es schon lange nicht mehr.
(Seite 126)

Denn noch während ich sank, wettete ich dagegen. Ich war schon so weit gekommen und ich gab jetzt nicht auf. 
(Seite 228)


Eine Todesanzeige sowie ein Brief ihrer Oma verändern das Leben von Luzie von einem Moment auf den anderen komplett. Sie macht sich auf die Suche nach Antworten, doch zunächst sind da nur viele offene Fragen, die ihre Welt beinahe zum Einstürzen bringen. Doch dann lernt Luzie Puma kennen, der mit all dem was passiert ist nichts zu tun hat, oder doch?


Hinter dem Titel "Die Quersumme von Liebe" könnte man sich einen locker leichten Liebesroman vorstellen. Doch wer bereits eines oder gar mehrere Bücher aus dem Magellan Verlag gelesen hat weiß, dass dem sicher nicht so ist. Hinter diesem fantastisch gewählten Titel verbirgt sich ein Familiendrama gepaart mit kleinen Thrillerelementen, welches definitiv sehr unter die Haut geht. Die Liebe in ihren unterschiedlichsten Formen (Elterliche Liebe, die Liebe welche man für seine Geschwister empfindet, für die beste Freundin, sowie die Liebe zwischen Paaren) spielt in Katrin Zipses zweitem Roman, dennoch eine sehr wichtige und auch entscheidende Rolle. Ebenso wie die Quersummen der unterschiedlichsten Zahlen es für Luzie, und den Glauben daran, dass ein Ereignis gut oder schlecht ausgeht, tun.

Durch Zufall entdeckt Protagonistin Luzie eine Todesanzeige ihrer vermeintlich seit zehn Jahren toten Großmutter in der Papiertonne. Diese Anzeige wirft natürlich so einige Fragen auf, und rückt die Beziehung zwischen Luzie und ihrer Mutter in ein anderes Licht. Die junge Frau macht sich auf die Suche nach Antworten, sie lässt sich nicht mehr so einfach abspeisen, gräbt tiefer und deckt dadurch Dinge auf, welche traurig und verstörend zugleich sind. Luzie lüftet die Geheimnisse ihrer Familie und erfährt genaueres über den Tod des geliebten Vaters. Ein treuer Begleiter und wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist Luzies kleiner siebenjähriger Halbbruder Aaron, um den sie sich sehr viel und oft kümmert. 

Ihre Nachforschungen führen Luzie unter anderem in eine Kletterhalle, dort trifft sie das erste Mal auf Puma, welcher kurze Zeit später der Kletter-Trainer von Aaron wird. Zunächst so scheint es, gibt es keinerlei Verbindung zwischen Puma und Luzies Vergangenheit. Doch dann ist es Puma, der die schreckliche Wahrheit zuerst begreift. Die Ironie des Schicksals hat die beiden zusammengeführt, verbunden sind Luzie und Puma allerdings schon viele Jahre lang.

Die Figuren sind absolut authentisch, man kann sich sowohl in Luzie als auch in Puma hinein versetzten. Man spürt beim Lesen ihren Schmerz, ihre Angst, ihre Trauer, aber auch das Glück und die unumstößliche Verbundenheit. Eine einfache Kindheit, geprägt durch die Spuren ihrer Vergangenheit, hatten beide nicht. Puma wurde im Gegensatz zu Luzie aber nie etwas verschwiegen, was ihn letztendlich stärker und auch selbstsicherer macht. Luzies Wut und ihr Entsetzten sind absolut greifbar. Dass ihr sehr oft das Vertrauen in sich selbst und in die Welt fehlt, und sie sich daher sehr lange an ihr "Quersummen-Ritual" hält, ist nur all zu verständlich. Der kleine Aaron, seine unerschütterliche Liebe zu seiner großen Schwester, und sein Glaube in sie, selbst wenn er mal bockig, trotzig oder anstrengend ist, ist absolut rührend und sehr ehrlich und echt. Man kann gar nicht anders, als den kleinen Mann ins Herz zu schließen. Mit Luzies Mutter wurde ich dagegen nie wirklich warm. Ich konnte ihre Beweggründe zwar verstehen, aber nicht, wie sie sich im allgemeinen gegenüber ihrer Tochter verhielt. Das mit Sicherheit Schlimmste für einen Geschwisterteil ist, wenn der eigene Bruder, oder die eigene Schwester, egal aus welchen Gründen bevorzugt, oder scheinbar sogar mehr geliebt wird.   

Eine absolute Besonderheit ist der Erzählstil den die Autorin für ihren Roman gewählt hat. Die Geschichte wird abwechselnd aus Luzie und aus Pumas Sicht geschildert. Während Luzie aus der Ich-Perspektive heraus und in einer Art Tagebuchform erzählt, spricht Puma Luzie direkt an, also aus der Du-Perspektive. Dies ist zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, passt aber hervorragend. Zu Beginn des Romas wird angedeutet, dass die beiden sich kennen, und dass es einen Streit zwischen ihnen gab, das wie und warum, wird erst im weiteren Verlauf des Lesens klar. Luzie erzählt uns ihre Geschichte, berichtet von allem was vorgefallen ist, lässt uns an ihren Recherchen und zum Teil wirklich sehr schmerzhaften Entdeckungen und den damit verbundenen Erinnerungen teilhaben. Puma liest Luzies Notizen, während er dies tut, hatte ich immer das Gefühl, dass er mich direkt anspricht, was mich seine Anspannung und Angst noch viel deutlicher spüren lies. 

Katrin Zipse erzählt so spannend und packend, dass ich "Die Quersumme von Liebe" nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich war gefangen im Sog dieser Geschichte und hatte im letzten Drittel des Buches richtig Angst, dass etwas passieren könnte, was ich so gar nicht wollte! Im letzten Stück  überschlagen sich die Ereignisse dann noch einmal, bevor sich letztendlich mit dem Showdown alles entlädt. Das Ende lies mich bewegt und überwältigt zurück. 


"Die Quersumme von Liebe" berührt tief und hinterlässt deutliche Spuren im Herzen eines jeden Lesers. Authentisch und bewegend erzählt Katrin Zipse vom Leben ihrer Charaktere Luzie und Puma, die verbunden durch ein Ereignis in ihrer Vergangenheit die Gegenwart gemeinsam bewältigen, sich Kraft und Halt geben.

5/5 Flügeln für diese überwältigende Geschichte!

Kommentare:

  1. Hallo Ally-Maus <3

    eine sehr schöne Rezension und die Geschichte klingt sehr gut. Vor allem gefällt mir das Cover dieses Buches sehr gut - Magellan halt!! :)

    Küsschen, Uwe

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    1. Danke dir Uwe-Schnucki <3

      die Geschichte ist einzigartig und hinterlässt ihre Spuren. Das Cover ist wirklich wunderschön, eben wirklich typisch Magellan :)

      Küsschen zurück

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  2. Huhu Liebes! <3

    Oh jaa ich kann dir nur zustimmen! Es freut mich so, dass dir diese Geschichte auch so gut gefallen hat :)
    Aaron ist wirklich zuckersüß! Er verzeiht Luzie sogar, dass sie ihn manchmal vergisst. So einen lieben kleinen Bruder muss man mal haben (auch wenn er natürlich trotzdem seine Trotzphasen hat ;) Und wie er immer auf "Zwei Eise" behaart hat :D Hach das war lustig!). Was ich im Zusammenhang mit der Mutter nicht so verstanden habe war, warum Luzie mit einem "kleinen Insekt" verglichen wurde (von Helena). Wenn ihre Mutter sie doch nicht beachtet oder mit einem gewissen Blick ansieht, warum dann als wäre sie ein Insekt? Ekelt sich ihre Mutter vor ihr?
    Und was mir gerade, wo ich wieder so über das Buch nachdenke, auffällt ist, dass Luzies Quersummenberechnungen am Ende kaum noch Thema waren. Wow, da hat sie sich soweit entwickelt, dass sie ihre Quersummen gar nicht mehr braucht :)
    Ich habe definitiv ein weiteres Lieblingsbuch in meiner Lieblings-Buch-Riege :) Ich liebe "Die Quersumme der Liebe"! :)

    Drück dich <3

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    1. Huhu meine Süße <3

      wir sind doch so ziemlich bei jedem Buch der selben Meinung und das ist auch gut so <3 <3 <3
      So viel verzeihen können kleine Kinder ja am Ehesten, die sind viel weniger nachtragend als Erwachsene. Das "zwei Eise" fand ich auch so goldig, Aaron ist einfach zu putzig.
      Hm ja gute Frage, da gibt es bestimmt mehrere Interpretationsmöglichkeiten. Also ekeln denke ich nicht, vllt. ist Luzie ihrer Mum oft lästig, so wie ein Insekt das ist. Ich glaube ich frage einfach mal die Autorin selbst was sie dazu sagt. :)
      Luzie hat sich wirklich sehr entwickelt, ich fand es toll, dass die ihre Quersummenberechnungen am Ende gar nicht mehr gebraucht hat, auch wenn ich schon immer schmunzeln musste, wenn sie wieder eine Berechnung aufgestellt hat :D
      Ich finde das Buch auch ganz große Klasse!!!

      Drück dich auch <3

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  3. Hallo liebe Ally,

    "Die Quersumme von Liebe" ist mein erstes Katrin Zipse Buch und ich war auf Anhieb begeistert, dass ich mir "Glücksdrachenzeit" sofort kaufen musste. Auf den ersten Blick hat Luzie etwas mit Lea von "Wenn du dich traust" gemeinsam oder?

    Diese poetische Sprachgewalt von Puma ging mir unter die Haut und Aaron hätte ich am liebsten rausgezogen und an mich gedrückt, er ist unerschütterlich gewesen, der kleine Ritter. Die Mutter habe ich auch nie verstanden, aber es war ihre Form von Liebe glaube ich, denn das Ende ist ja nun mal einfach unglaublich.
    Ganz liebe Grüße
    Cindy

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    1. Hallo liebe Cindy <3

      ich habe "Glücksdrachenzeit" auch noch nicht gelesen, was ich aber unbedingt bald nachholen muss. Katrin Zipse schreibt unglaublich gut, so unter die Haut gehend. Ja stimmt, Luzie und Lea haben wirklich parallelen.

      Oh das hast du echt schön gesagt, Puma ist echt großartig und Aaron wirklich zum knuddeln. Die Mutter hatte eben immer Angst um Luzie, dass ihr auch das selbe passiert wie ihrem Vater. Das Ende ist wirklich unglaublich :)

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