Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Young World - Die Clans von New York - Chris Weitz - Rezension

http://www.dtv.de/buecher/young_world_-_die_clans_von_new_york_42867.html

Verlag: dtv
Hardcover
ISBN: 978-3-423-76121-5
Seiten: 382
Preis: 18,95 €
Übersetzung: Gerald Jung & Katharina Orgaß
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Nach dem Ausbruch einer schrecklichen Seuche, der sowohl Kinder als auch Erwachsene zum Opfer fielen, sind die einzigen Überlebenden Jugendliche. Vollkommen auf sich alleine gestellt, kämpfen diese auch noch ein Jahr nach der Katastrophe, meist gemeinsam in Clans, um ihre Rechte, ihren Besitz, ihre Freiheit, sowie gegen die aussichtslose Krankheit, an welcher sie nach Erreichen der Volljährigkeit immer noch unter starken Schmerzen sterben.

Als Brainbox das Supergenie des Washington Square Clans einem möglichen Heilmittel gegen das Virus auf die Spur kommt, machen sich Jefferson der Anführer des Clans, Donna, Peter und SeeThrough auf den Weg ins Ungewisse. Auf ihrer Reise sind der Tod, diverse Gewalttaten, Schießereien, Machtkämpfe, Überfälle und allerlei Skurriles ihre täglichen Begleiter. Doch Jefferson glaubt unbeirrt an die Rettung der Menschheit, aufgeben kommt für ihn daher niemals in Frage.


Als absoluter Dystopiefan war mir schnell klar, dass ich "Young World - Die Clans von New York" von Chris Weitz unbedingt lesen musste. Schnell fand ich mich in der Welt ohne Erwachsene zurecht und folgte im Wechsel sowohl Jeffersons als auch Donnas Erzählungen. Ich mag es sehr, wenn eine Geschichte aus zwei oder mehreren Perspektiven erzählt wird, da man so noch tiefere Einblicke in die Gefühlswelt und in das Leben der Protagonisten bekommt. Fasziniert war ich auch von der Idee an sich, dass nur die Jugendlichen zumindest für eine gewisse Zeit der Seuche trotzen konnten, und somit die einzigen Überlebenden sind. Der Autor hat das wie und warum gut und nachvollziehbar erklärt. Typisch für das "Dystopische Genre" ist das Fehlen von Elektrizität, Handys, Internet, fahrenden Autos und U-Bahnen etc. hier bildet auch "Young World" keine Ausnahme. Auch wenn ich es mir schrecklich vorstelle, ohne all diese Dinge und ohne den Hauch von Zivilisation zu leben, lese ich diese furchtbaren Zukunftsszenarien echt gerne.

Die Gewaltbereitschaft ist enorm, denn ohne Gesetze kämpfen die Clans nach ihren ganz eigenen Regeln. Auch der Washington Square Clan bildet hier keine Ausnahme, trotzdem kommt dieser gut zurecht. Die Clanmitglieder unterstützen einander und helfen sich gegenseitig. Dennoch sterben die Jugendlichen auch weiterhin, wenn sie eine gewisse körperliche Reife, sprich das Erwachsenenalter erreicht haben. Als Brainbox, ein wissenschaftlich sehr interessiertes Kerlchen, auf ein mögliches Heilmittel stößt, macht sich eine kleine Gruppe des Clans unter Anführung des Clanoberhauptes Jefferson auf den Weg um die Menschheit zu retten.

Jefferson und Donna sind mir gleichermaßen ans Herz gewachsen, und so leidet und bangt man als Leser auch unaufhörlich mit ihnen und der kleinen Gruppe. Ruhepausen und somit ruhige Szenen gibt es kaum, da Gefahren und ein gewisses Potential an Angst immer vorhanden sind. Auch dies mochte ich sehr, denn Action und Spannung sind für den Roman absolut wichtig. Womit ich leider meine Schwierigkeiten hatte, war die Abfolge der Geschehnisse. Man merkt der kompletten Geschichte an, dass der Autor von Beruf eigentlich Regisseur ist und Drehbücher schreibt. Die einzelnen Szenen wirkten für mich auch wie bei einem Drehbuch, etwas zu sehr unterteilt, und somit irgendwie abgehackt. Kaum ist ein Ereignis abgehandelt, da folgt auch schon das Nächste. Dadurch wurde mein Lesefluss öfter gestört, weil das Gelesene für mich nicht wirklich rund wirkte. Auch ein gewisser Tiefgang, vor allem für die heftigen, brutalen und traurigen Szenen, aber auch für die Gefühle an sich haben mir gefehlt. Auch die Dialoge laufen im selben Drehbuch-Schema ab, wobei mich das weniger gestört hat, da ich mich hieran recht schnell gewöhnt hatte.

Das Chris Weitz ein absoluter Filmkenner und Liebhaber ist, ist ebenfalls nicht zu übersehen bzw. zu überlesen. Er zieht des Öfteren Vergleiche mit anderen Filmen oder auch mit Musik heran. Dies finde ich meist richtig toll, doch in "Young World" war mir das fast schon ein wenig zu viel.

Was ich wiederum sehr interessant und hervorragend umgesetzt fand, waren die gedanklichen Rückblicke von Donna und Jefferson. Man erfährt als Leser so einiges von der Vergangenheit der Protagonisten, ihrem Leben und ihrer Familie. Dass sie besonders Letztere selbst nach über einem Jahr noch sehr vermissen, ist mehr als verständlich. Um so wichtiger sind somit die Erinnerungen die man bzw. die Beiden mit geliebten Menschen verbinden. Der Fokus auf die Zukunft und auf das hier und jetzt ging dadurch für mich zum Glück nicht verloren.

Das Ende und ein doch recht unerwartetes Ereignis, kam für mich etwas plötzlich und unerwartet, macht aber definitiv sehr neugierig auf den Folgeband. 


"Young World - Die Clans von New York" von Chris Weitz präsentiert ein erschreckendes und brutales Zukunftszenario, welches mich definitiv fesseln und mitreißen konnte. Der zu drehbuchhafte Erzählstil und der damit verbundene Verlust von Tiefgang, schmälerten meine Lesefreude. Dennoch ein gelungenes Erstlingswerk mit Potential nach Oben.

Von mir gibt es 3,5/5 Flügeln!


Kommentare:

  1. Hi Ally-Maus <3,

    eine tolle Rezi von dir. Wie du ja weißt, liebe ich Dystophien (dank dir) ja, aber dieses Buch will irgendwie so gar nicht an mich ran :D
    Habe bisher die unterschiedlichsten Meinungen dazu gelesen. Mal schauen, vielleicht zieht es ja doch noch irgendwann bei mir ein.

    Drück dich, Küsschen, Uwe

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    1. Huhu mein Uwe-Schnucki <3

      ich danke dir, auch für´s Fehler finden :). Ich freue mich ja immer noch sehr, dass du inzwischen (*grins* ja auch dank mir) Dystopien und auch andere Genres gerne magst/liest. Hm ich kann dich echt verstehen, bin aber dennoch gespannt, ob das Buch irgendwann doch noch den Weg zu dir finden wird.

      Drück dich auch, Küsschen

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  2. Huhu Ally,

    unsere Meinungen decken sich ja wirklich sehr :-)
    Ohne Handys und Internet zu leben ist mittlerweile wirklich unvorstellbar geworden. Aber noch viel schlimmer finde ich, dass es nur noch Jugendliche gibt und man Eltern, Großeltern und jüngere Geschwister verloren hat :-(
    Mir hat das Buch trotz der Kritikpunkt gut gefallen und ich werde schon alleine wegen des Endes weiterlesen.

    Ganz liebe Grüße und dicke Umarmung.
    Sandra

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    1. Huhu Sandra <3

      ja und wie, wir sind uns wirklich sehr einig :) Ohne die geliebten Menschen, sprich Eltern und Geschwister leben zu müssen, ist definitiv das allerschlimmste. Das Ende war wirklich fies uns sehr überraschen, da bin ich auch gespannt, wie es weiter geht.

      Küsschen und eine dicke Umarmung zurück <3

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