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dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Die Androidin auf der Flucht - Joel Shepherd - Rezension

http://www.fischerverlage.de/buch/die_androidin-auf_der_flucht/9783596297283

Verlag: Fischer TOR
Softcover
ISBN: 978-3-596-29728-3
Seiten: 540
Preis: 9,99 €
Übersetzung: Maike Hallmann
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Elitesoldatin Cassandra ist eine Androidin, von der Liga einzig dazu gebaut, um gegen die mächtige Föderation zu kämpfen. Doch Cassandra ist anders, an ihr wurde bei ihrer Erschaffung experimentiert, sodass sie Gefühle hat, extrem intelligent und kreativ ist. So beginnt sie den Sinn ihres Lebens immer mehr zu hinterfragen, bekommt Skrupel und flüchtet schließlich inkognito auf den Föderationsplaneten Callay und dort in die gigantische Stadt Tanusha. Doch schon nach kurzer Zeit fliegt ihre Tarnidentität auf und Cassandra muss für sich, ihr Leben und ihren Platz in der Welt einstehen.


Auf den Auftakt dieser intergalaktischen Reihe habe ich mich unheimlich gefreut, ich war so gespannt darauf, wie sich Cassandra Kresnov in dieser für sie doch gefährlichen Welt behaupten würde. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir ziemlich leicht. Cassandra oder auch Sandy, wie sie von ihrem früheren Team genannt wurde, befindet sich inkognito in Tanusha einer riesigen Stadt auf dem Planeten Callay. Dieser ist unserer Erde, welche auch in der erdachten Welt von Autor Joel Shepherd immer noch existiert, gar nicht so unähnlich. Es gibt auch dort Parks mit Bäumen und Seen, Vorstadtgebiete mit tollen Häusern, sowie eine große Anzahl an Hochhäusern, Bürogebäuden, jede menge Shops, Restaurants, Hotels und allgemein eine gigantische Infrastruktur. Die Autos hingegen fliegen viele Meter über dem Boden, werden größtenteils von Verkehrsleitsystemen gelenkt und die Menschen, die für die Sicherheit des Planeten zuständig sind, sind so weit möglich, modifiziert worden. Eine Kommunikation über Interface ist Alltag, ebenso die Tatsache, dass sich die Menschen via Kabel in ihrem Hinterkopf mit Systemen etc. verbinden können. In dieser aber dennoch recht beschaulichen Umgebung, möchte Sandy nur eines, einen Job finden und ein friedliches, selbstbestimmtes Leben ohne Kämpfe und Gewalt führen. Zunächst scheint ihr Plan aufzugehen. Cassandra hat die besten Aussichten auf einen tollen Job, sie genießt ihre Freiheit, sieht sich die Metropole an, hat Sex mit Männern, unternimmt viele Sightseeing-Touren, verhält sich somit wie eine normale Touristin und fühlt sich dabei auch unheimlich wohl.

Doch dann fliegt ihre Tarnidentität auf, gleich mehrere Fraktionen haben aus unterschiedlichen Gründen Interesse an der Androidin. Dabei wird sie nicht wie ein fühlendes Wesen behandelt, sondern nur wie die gefährliche Maschine, die sie zweifelsfrei auch ist. An ihr wird herum experimentiert und jeder will die GI analysieren. Zu Sandy´s Glück, begegnet ihr recht früh im Verlauf der Geschichte SWAT Teamleiterin Vanessa Rice, die Cassandra hingegen jeglicher Vernunft ziemlich nahe kommt und sie somit vor dem sicheren Tod bewahrt. Dank Cassandras übermenschlichen Heilkräften und ihrer gesteigerten Sinneswahrnehmung kämpft sie sich zurück ins Leben.

Im Laufe der Zeit wird Vanessa zu Sandys engster Vertrauten, die Chemie zwischen den Frauen ist großartig. So unterschiedlich die Beiden zunächst scheinen, so ähnlich sind sie sich doch in Vielem. Ich bin absolut begeistert von diesem gigantischen Setting, welches so viele hervorragend ausgearbeitete Details in sich birgt. Außerdem hat es mir Sandys Struktur sowie ihre fantastische Art absolut angetan. Joel Shepherd befasst sich sehr ausgiebig mit dem Seelenheil und auch dem komplexen Innenleben seiner Protagonistin. Obwohl Cassandra künstlich erschaffen wurde, hat sie ein ausgeprägtes Empfindungsvermögen, liebt, besitzt ein "echtes" Bewusstsein und hinterfragt ihr Handeln. Sandy unterscheidet sich somit sehr stark von den meisten GI´s. Viele GI´s sind nur Killermaschinen, einige wenige wurden ebenfalls mit weiteren menschlichen Merkmalen ausgestattet, doch Cassandra ist einzigartig und besonders. Ihr Sexualtrieb ist extrem ausgeprägt, dies hat mich zwar nicht gestört, da sich auch daraus zum Teil recht unterhaltsame Szenen ergeben, dennoch ist Sandy manchmal etwas zu stark darauf fokussiert. Nichtsdestotrotz habe ich Cassandra sehr ins Herz geschlossen. Ich mag es unheimlich, wie sie die Welt betrachtet, wie sie fühlt, denkt und wie sie sich gegenüber allen Personen verhält. Auch Vanessa behauptet sich großartig in ihrer Männerdomäne, sodass sich die Beiden stets auf Augenhöhe begegnen. Vanessa hat Pfeffer, ist unglaublich temperamentvoll, stürmisch, wortgewandt und das reinste Energiebündel. Alle Szenen zwischen den Zweien, habe ich daher auch besonders gerne mitverfolgt. Ich habe diese amüsiert und oft schmunzelnd genossen. Schön ist es auch mitzuerleben, wie sehr Beide für den jeweils anderen da sind und wie sich langsam eine tiefe Verbundenheit entwickelt.

Auch die Grundstory an sich hat mich vollkommen überzeugt, die Idee dahinter ist spannend, mitreißend und lässt den Leser absolut mitfühlen. Ich finde diese Zukunftssettings allgemein immer herrlich atemberaubend. Auch die politischen Handlungsstränge rund um Tanusha fand ich durchaus faszinierend. Aber, und hier kommt mein größter Kritikpunkt, wurden diese von Joel Shepherd extrem ausführlich und weitschweifend abgehandelt. Dies zieht sich durch den kompletten Roman hindurch, sodass mir des Öfteren der Kopf geraucht hat und ich wirklich wahnsinnig aufpassen musste, um die vielen Informationen zu speichern und zu verinnerlichen. Der Autor ist auch sehr detailverliebt, was bei manchen Handlungssträngen auch wirklich toll ist, doch oft ist es einfach zu viel des Guten. Das Buch an sich ist so großartig, da hätte es diese Ausführlichkeit meist definitiv nicht gebraucht. Außer natürlich bei den Zwischenmenschlichen Handlungen und in Bezug auf Cassandra, hier fand ich es perfekt. Denn so habe ich Sandy, ihre Wesenszüge und sie intensiv kennengelernt. 

Trotz der freigiebigen Beschreibungen, wurde ich dennoch im Dunkeln darüber gelassen, wie das Leben im Weltall auf diese Weise möglich wurde. Und wie es dazu kam, dass sich Millionen von der Erde verabschiedet und ein neues Leben auf den diversen Planeten begonnen haben. Außerdem fehlt mir bisher auch noch das Hintergrundwissen, wie es zur Bildung der Fraktionen kam und wann genau die Liga damit begonnen hat, künstliche Personen zu erschaffen. Ich gehe allerdings sehr stark davon aus, dass meine Neugier in den Folgebänden noch gestillt wird, es bleibt also durchaus spannend. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die politischen Ränkespielchen weiter gehen werden und ich auch dazu noch einiges Wissenswerte und Interessante erfahren werde.

Allgemein sind Shepherds Figuren sehr vielschichtig, dadurch erhält das Buch viel Tiefgang, was ich unglaublich gerne mag. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, besonders lustig ist es oft, wie die "normalen" Menschen auf Sandy reagieren, wie sie vor ihr Respekt und auch Angst haben. Im Laufe der Zeit entwickeln sich die unterschiedlichsten Beziehungen, was ebenfalls toll mitzuverfolgen war. Auch jemand aus Cassandras Vergangenheit spielt eine entscheidende Rolle.

Diese neue Welt ist lebendig, immer in Bewegung, laut, bunt, actionreich und absolut einprägsam. Durch die Seitenweisen Erklärungen und langen Monologe zieht sich das Lesen aber auch, sodass man definitiv genügend, am besten freie Tage, zur Verfügung haben sollte, ehe man sich in das Adroidinnen-Abenteuer stürzt.  


Mit dem Auftaktband "Die Androidin auf der Flucht" hat Joel Shepherd einen sehr bildgewaltigen und wortgewandten Sience-Fiction-Roman, welcher ein gigantisches Setting beinhaltet, geschrieben, der mit Sicherheit jedes Sci-Fi-Fanherz höher schlagen lässt. Der Fokus der Geschichte liegt ganz klar auf der künstlich erschaffenen Adroidin Cassandra, ihrem Seelenleben sowie ihrer Fähigkeit zu fühlen und bewusst wahrzunehmen, was mir unglaublich gut gefallen hat. Einzig der sehr ausschweifende, detailreiche Erzählstil und die ausgeprägten politischen Machtspielchen, bremsten meinen Lesefluss des Öfteren. Für diese komplexe Handlung sollte man sich definitiv ausreichend Zeit nehmen.

4/5 Flügeln für diesen ersten Band! 


Kommentare:

  1. Hallo Prinzessin <3,

    erstmal hat es mir sehr viel Spaß gemacht, mit dir gemeinsam, dieses Buch zu lesen. Die Story, der Schreibstil, das Setting sowie Sandy und Vanessa sind absolut genial. Gerade der Humor zwischen den Beiden und die Gefühle von Sandy sind einfach nur toll.

    Eine tolle Rezi von dir (wie immer) und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

    Drück dich, Küsschen,
    Uwe

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    1. Hallöchen Schnuffi, <3

      mir hat es auch total viel Spaß gemacht, das Buch mit dir gemeinsam zu lesen. Trotz Arbeitsstress hat es ja dieses Mal auch super geklappt :). Wir sind uns ja auch wirklich sehr einig, was die Geschichte und auch die tolle Charaktere, allen vorn natürlich Cassandra und Vanessa betrifft :)

      Vielen, vielen dank und ich freue mich auch schon auf die Fortsetzung.

      Drück dich, Küsschen,
      Ally

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  2. Huhu mein allerliebster Ally-Schatz <3

    eine großartige Rezension! Ich habe eben schon die Rezi von Uwe gelesen und er ist ja ähnlich angetan wie du. Das ist echt klasse! Das Buch spricht mich jetzt nicht so wirklich an, wobei das mit der künstlichen Intelligenz ja gar nicht mehr so abwegig in unserem medialen Zeitalter ist. Vielleicht warte ich einfach eure Meinungen zur Fortsetzung ab und entscheide dann :)

    Vielen Dank für deine ehrliche und tolle Rezi <3
    Deine Cata

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    1. Hallo mein allerliebster Cata-Schatz, <3

      ich danke dir wie immer sehr :-*. Uwe hat ein bisschen vor mir geteilt, hochgeladen haben wir fast zeitgleich :) und ja das stimmt, wir sind beide angetan und auch komplett einer Meinung was das Buch betrifft. Ich werde immer mehr zum Sci-Fi-Fan ^^ und finde die Idee daher echt klasse. Die Fortsetzung erscheint schon bald, deshalb musst du nicht so arg lange auf unsere Meinung warten.

      Drücke dich ganz fest,
      deine Ally

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  3. Huhu Allylein, <3

    das ist ja schön, dass Uwe und du wieder sehr einer Meinung seid. Der detailreiche Schreibstil schreckt mich jetzt aber doch ein wenig ab. Politische Machtspiele finde ich recht interessant, wenn sie sich nicht zu sehr ausdehnen. Ich bin schon gespannt wie euch Band 2 gefällt. Werdet ihr diesen wieder zusammen lesen?

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Huhu Sandralein,

      *lach* ja, dass sind wir ja recht oft. Und leider ist es ziemlich detailreich, gut 100 - 150 Seiten weniger hätten für diese tolle Geschichte (wenn der Autor diese zügiger geschrieben hätte) echt gereicht. Die politischen Machtspiele waren wirklich interessant und verzwickt, ich bin echt gespannt, was uns da in Band 2 noch erwarten wird. Auf unsere Meinung musst du gar nicht so arg lange warten, da Band 2 bereits im Juli erscheint. Und ja, das werden wir.:)

      Liebe Grüße,
      Ally

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