Bo erhält ein geheimnisvolles Paket. Als er dieses öffnet springen ihm 26 wilde Mini-Schafe, die jeweils einen Buchstaben auf ihrem T-Shirt haben, entgegen. Bo soll mit seinen Schafen den höchsten Gipfel der Welt besteigen. Auf dem Weg dorthin, kommen sie an fünf Stationen mit kniffligen Buchstaben-Aufgaben vorbei. Doch die Schafe sind ständig in Bewegung, haben alles mögliche im Kopf und lassen sich daher kaum bändigen.
Da mein zweitältester Neffe dieses Jahr in die Schule kommt und sich schon sehr für Buchstaben interessiert, war schnell klar, dass wir „Bo und die Wilde 26 - Ein Buchstaben-Abenteuer“ von Stefanie Taschinski unbedingt lesen wollen.
Zu Beginn lernten wir Wirbelwind Bo und seinen Papa, der Tierarzt ist, kennen. Bo, der auch bald das Lesen lernt, hat davor allerdings noch etwas Bammel, da er nicht weiß, was genau auf ihn zukommt. Als Bo seinen Papa begleitet und auf einem Bauernhof einen Hund verarztet, verrät dieser seinem Sohn, dass er am nächsten Tag ein Spezialpaket bekommt. Bo kann vor lauter Aufregung kaum schlafen und ist am nächsten Tag, als das Paket ankommt sehr gespannt.
Als er besagtes Paket öffnet, springen daraus lauer Mini-Schafe heraus die allesamt T-Shirts mit den unterschiedlichsten Buchstaben von A-Z tragen. Im beigefügten Brief bekommt Bo mitgeteilt, dass er seine Schafherde zum großen Mupi-Berg bringen soll. Bo nimmt die Herausforderung an und beginnt mit einer Karte bewaffnet den Aufstieg. Die Schafe hopsen um ihn herum, so richtig auf ihn hören tun sie allerdings nicht, denn sie sind ziemlich quirlig und auch total unterschiedlich. Dennoch erreichen Sie gemeinsam die erste Bergstation.
Als Bo und die Schafe sich wieder auf den Weg machen, tollen vier Schafe um einen Baum herum und bilden auch besagtes Wort, doch Bo liest die Buchstaben in der falschen Reihenfolge, sodass sie für ihn keinen Sinn ergeben. Unterwegs warnen ihn die Schafe sogar vor einer Gefahr, in dem sie das Wort bilden und als sie schließlich doch heil bei der zweiten Bergstation ankommen und sich um das Lagerfeuer kuscheln, liegen fünf Schafe so, dass man das Wort „Nacht“ lesen kann, doch auch das nimmt Bo noch nicht bewusst wahr.
Als Bo tags darauf erwacht, ist seine Herde verschwunden. Als er diese wiederfindet, bindet er allen Tieren ein Strick um dem Hals, damit diese brav hintereinander herlaufen und nicht mehr verloren gehen. Als die kleine Bande unterwegs auf den Hund trifft, den sein Papa vor kurzem ärztlich versorgt hat, stellen sich vier von ihnen so auf, dass ihre T-Shirts ebenfalls das Wort „Hund“ ergeben. Besagter Hund hilft den Schäfchen auch dabei, einen Fluss zu überqueren. Aus Dankbarkeit formieren sich die Schafe so, dass das Wort „Danke“ zu lesen ist, was Bo, der froh ist, dass alle Schafe den Übergang geschafft haben, ebenfalls nicht gezielt bemerkt.
Der Hund schließt sich der trubeligen Truppe an und begleitet sie zur nächsten Bergstation, die eine große Sandkiste mit bunten Würfeln, die ebenfalls mit Buchstaben bedruckt sind, darstellt. Außerdem gibt es dort eine Musikanlage, die eines der Schäfchen in Gang bringt. So tanzen der Junge, der Hund und die komplette Schafherde fröhlich zur Musik. Fünf machen eine besonders schöne Figur und bewegen sich gemeinsam so, dass das Wort „Musik“ erscheint.
Da der Weg zur fünften und letzten Station der schwierigste und steilste ist, stehen fünf Schäfchen so zusammengedrückt, dass sie gemeinsam das Wort „Panik“ bilden. Doch Bo, der seine Herde inzwischen sehr liebgewonnen hat, zieht diese in Grüppchen und mit Hilfe einer kleinen Korb-Seilbahn bis hinauf auf den Gipfel. Oben angekommen stellen sich alle Schafe in der Alphabethischen Reihenfolge auf, was ziemlich lustig aussieht. Als Bo oben auf dem Berg wieder auf seinen Papa trifft, umarmt er diesen glücklich. Die Schafe hüpfen fröhlich um die beiden herum, acht formen das Wort „Mupiberg“ und vier, die etwas Abseits stehen, das Wort „Ziel“.
So hat es Bo nicht nur geschafft den Gipfel zu erklimmen und alle Schafe sicher ans Ziel zu bringen, ihm wird auch bewusst, dass lesen doch nicht so schwer ist und er es tatsächlich wunderbar findet.
Die tollen Illustrationen von Christiane Hansen erzählen die Geschichte großartig weiter bzw. ergänzen diese toll. Es macht einfach Spaß die Bilder zu betrachten, besonders herzig sind die Schafe und definitiv auch Bo.
Im Nachwort erklärt die Autorin, dass das Lesen lernen einer Bergbesteigung ähnelt, dass das Gehirn für das Erlernen regelrecht umgebaut werden muss und das Hirnbereiche neu miteinander verschaltet werden, was ich unglaublich interessant finde. Denn so zeigt Bos Bergbesteigung metaphorisch wie dieser während der Zeit, gemeinsam mit den Leser*innen seiner Geschichte, die Worte entziffern und somit lesen lernt, auch wenn er diese gar nicht wahrzunehmen scheint. Die einzelnen Kapitel sind in die Bereiche „Sehen“, „Sprechen“, „Begreifen“, „Bewegen“ und schließlich „Fühlen“ gegliedert. Und am Ende, wenn Bo den Gipfel bestiegen hat, sind alle Bereiche miteinander verbunden und das Lesen nicht mehr gruselig sondern wunderbar, wie die Autorin ebenfalls erläutert. Auch das ist spannend zu erfahren und lässt mich als Erwachsene auf die Leistung, die ein Kind während des ersten Schuljahrs und somit in der Zeit, in der es lesen lernt, erbringt, blicken.
Mein Neffe, der nun in die Schule kommt, steht somit noch am Anfang, auch wenn er bereits alle Buchstaben kennt und es tatsächlich auch zum Teil bereits schafft, die Worte zu bilden. Mein großer Neffe, der in wenigen Wochen die zweite Klasse besucht, liest und findet die Worte sofort.


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