Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Bis der Regen Feuer fängt - Stefanie Höfler - Rezension

Verlag: Beltz & Gelberg
Hardcover
ISBN: 978-3-407-79041-5
Seiten: 315
Preis: 18,00 €
Übersetzung: - 
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Die 16-jährigen Tonia lebt komplett vom System überwacht. Da sie es nicht anders kennt, fühlt sie sich dadurch sicher und auch beschützt. Doch dann verschwindet ihr großer Bruder Rudi und sie lernt wenig später die gleichaltrige Sol kennen, die sich oft kritisch gegenüber der Dauerüberwachung äußert. Plötzlich wird ihr klar, dass sie nicht nur ihren Bruder suchen muss, sondern auch dringend Antworten benötigt. Tonia schaltet ihren Sensor ab, lässt ihr Handy zurück und flieht in den Wald. Da im ganzen Land seit vielen Jahren Dürre herrscht, ist der Regen, der erst seit kurzem stetig und anhaltend fällt, sehr ungewöhnlich. Und dass, was als kleine Flucht begann, wird zu einer gigantischen Suche, als Tonia von den „Regenkindern“ erfährt, zwei von ihnen kennenlernt und auf eine Wahrheit stößt, die alles verändert. 

Da ich unglaublich gerne Dystopien lese, war ich sehr gespannt auf „Bis der Regen Feuer fängt“ von Stefanie Höfler.

Protagonistin Tonia lebt in einem System, dass die Menschen via Sensor und Tracking dauerhaft überwacht und deren Daten erfasst und speichert. Für die 16-jährige ist dies ganz normal, da sie es nicht anders kennt, so fühlt sie sich dadurch auch beschützt. Die Menschen leben nur dann in konformen Familien, wenn diese aus Vater, Mutter und Kindern besteht, eine gleichgeschlechtliche Liebe wird, da diese den Fortbestand der Menschheit nicht sicher, nicht toleriert. Und Frauen, die ohne Partner schwanger sind, haben nach der Geburt kein Recht darauf, ihr Kind großzuziehen. All dies tangierte Tonia ihr bisheriges Leben nicht, erst als ihr großer Bruder Rudi sich extrem verändert und schlussendlich verschwindet, wird sie wachgerüttelt. Als Tonia kurze Zeit später die nur wenig ältere Sol, die sie sofort fasziniert und zu der sie sich hingezogen fühlt, kennenlernt, beginnt sie zu hinterfragen. Sie erzählt Sol von Rudi und diese wiederum, kritisiert des Öfteren das System. So wird Tonia auch alsbald klar, dass sie Rudi, den sie sehr vermisst, unbedingt finden und Antworten bekommen muss. Mit den nötigsten Dingen im Gepäck, macht sich Tonia, nachdem sie sich ihres Handys entledigt und ihren Sensor abgeschaltet hat, auf den Weg in das Naherholungsgebiet und von diesem aus in die angrenzende Wildnis und somit in die verbotene Zone.

Dort ist sie zunächst vollkommen auf sich allein gestellt und lernt das entbehrungsreiche, aber freie Leben in der Natur kennen. Da es dauerhaft regnet, was es bisher noch nie getan hat, ist Tonia froh, als sie eine kleine unbewohnte Hütte entdeckt, daher lässt sie sich in dieser auch nieder. So lernt Tonia letztendlich auch Leonard, der gesundheitlich angeschlagen ist und seit Kurzem ebenfalls in der Wildnis lebt, kennen. Fortan teilen sich die beiden Teenager die kleine Hütte und vertrauen sich im Laufe der Zeit auch immer mehr an. Als Jim zu der kleinen Gruppe dazustößt, verändert sich nicht nur die Dynamik, Tonia erfährt auch mehr über die sogenannten „Regenkinder“, was ihren Beschluss, Rudi zu finden, nur noch mehr verstärkt. Auch Sol, so begreift die junge Frau, scheint aufgrund einiger Tatsachen, eine Verbindung zu diesen zu haben. Als Tonia schließlich auf die schockierende Wahrheit stößt und dabei auch ein Familiengeheimnis offenbart, muss sie handeln, um nicht nur Rudis Leben zu retten.

Aufgrund des Klimawandels wurde die Menschheit gezwungen, diverse Maßnahmen zu ergreifen. Die Erholung von Flora und Fauna und natürlich die Gesundheit aller Menschen und deren langfristiges Überleben, sind das große Ziel. Daher wurden die Menschen mit Sensoren ausgestattet, die ihre Gesundheit, ihre Aufenthaltsorte, Gespräche und alles weitere, akribisch überwachen und aufzeichnen. Gerade für die jüngere Generation, wie Tonia, ist dies vollkommen normal. Für mich als Leserin hingegen, klingt bereits die Vorstellung einer dauerhaften Überwachung und die Einhaltung all dieser Vorgaben und Regeln, definitiv gruselig.

Daher ist es spannend Tonia, die sich all dem mutig entgegenstellt und für eine Weile komplett ausbricht, zu begleiten und mit ihr Stück für Stück Dinge offenzulegen. Das wiederum ist sehr fesselnd, denn das, was Tonia erfährt und was es mit dem Regen und den „Regenkindern“ auf sich hat, ist schockierend und unfassbar. Die Geschichte ist daher definitiv nicht ohne, sie ist aufwühlend, stellenweise grausam, einnehmend und definitiv auch berührend.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind für die gesamte Geschichte ebenfalls sehr wichtig. Beginnend mit Tonias Familie, die beinahe an diesem einen, großen Geheimnis zerbricht und deren bisher schöne Welt gehörig auf den Kopf gestellt wird, über Tonias Liebesbeziehung zu Sol, die alles verändert, bis hin zu der zarten Freundschaft, die zwischen Tonia und Leonard entsteht und ihrem komplizierten Verhältnis zu Jim, steckt eine große Bandbreite an Gefühlen.

Es ist großartig mitzuverfolgen wie eine Handvoll Teenager sich beginnen zu wehren, wie diese aufbegehren, zusammenhalten und letztendlich auch etwas erreichen und zu Fall bringen. So ist auch das Ende realistisch und rund um zufriedenstellend. 

Bis der Regen Feuer fängt“ von Stefanie Höfler ist eine packende und mitreißende Dystopie, die bewegt und zum Nachdenken anregt. Das bisher ruhige und beschauliche Leben der 16-jährigen Tonia verändert sich komplett, als ihr Bruder Rudi verschwindet und sie sich in die gleichaltrige Sol, die dem System der allgegenwärtigen Überwachung kritisch gegenübersteht, verliebt. So begehrt Tonia das erste Mal in ihrem Leben auf, denn sie muss ihren Bruder finden und etwas Unglaubliches und Schockierendes aufhalten und komplett aufdecken, um nicht nur ihn und Sol, sondern auch weitere Jugendliche und letztendlich auch weitere Menschenleben zu retten. Ich hatte rund um spannende, berührende und Gänsehaut bescherende Lesemomente. 

 

 

Ich vergebe für diesen einnehmenden und einfühlsamen Einzelband daher 4,5/5 Flügel/Schwingen! 

 

 



 

 Gemäß § 2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diese Rezension als Werbung. In meinem Beitrag befindet sich (zu informativen Zwecken) eine Verlinkung zur Webseite des Verlags, in welchem das Buch erschienen ist. Ihr erhaltet somit auch weitere Informationen zum Buch, zum Autor, sowie eventuell auch zu weiteren Romanen.  

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