Das Herz ist wie ein Buch, manche dürfen einen Moment darin blättern, einige
dürfen es sich für eine gewisse Zeit ausleihen, aber nur ganz wenigen schenkt man es!

Fräulein Renée und das kartografische Komplott - Kaja Grimme - Rezension


Verlag: Südpol
Hardcover
ISBN: 978-3-96594-378-0
Seiten: 371
Preis: 20,00 €
Übersetzung: -
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Im Jahr 1908 sucht die 17-jährigen Renée Graf einen Chronisten, der die zukünftigen Abenteuer, die diese gedenkt zu erleben, festhält. Der junge Dichter Caspar Schütze bewirbt sich auf die Stelle und wird von Renée, nachdem er ihren ungewöhnlichen Regeln zustimmt, angeheuert. Caspar hat auch kaum eine andere Wahl und ist daher froh, eine Arbeit und ein Dach über dem Kopf zu haben. Das besagtes erstes Abenteuer in Form einer Leiche, die sie in einem alten Forsthaus entdecken, bereits auf die beiden wartet, kommt überraschend. So beginnen Renée, die ihr Glück kaum fassen kann, und Caspar, bei dem das Gegenteil der Fall ist, gemeinsam zu ermitteln und alsbald führt sie eine entscheidende Spur zur ehrwürdigen Geographischen Gesellschaft Württemberg, in die sich die beiden einschleichen wollen. 
 

Da „Fräulein Renée und das kartografische Komplett“ von Kaja Grimme nach einer tollen und spannenden Geschichte klang, habe ich mich sehr aufs Lesen des Buches gefreut.

 Gleich zu Beginn lernte ich die 17-jährige und definitiv außergewöhnliche Protagonistin Renée kennen. Diese hat nicht nur eine Armprothese, sie ist dunkelhäutig und lebt mit ihrem früheren Kindermädchen Miriam allein in einem großen Herrenhaus. Renées Vater, ein Fabrikbesitzer ist verstorben, doch da sie, glücklicherweise Alleinerbin, und aufgrund einer Erbschaftsregelung bereits zum Teil Zugriff auf ihr Vermögen hat, kann diese das Anwesen problemlos unterhalten. Da Renée somit auch sämtliche Freiheiten besitzt, was in der damaligen Zeit für junge Frauen selten war, kann diese tun, was immer ihr beliebt. So beschließt Renée, dass sie Abenteuer erleben möchte und stellt dazu den 18-jährigen Caspar als ihren Chronisten an, damit dieser alles ordentlich dokumentiert. Dabei stellt sie folgende Regeln auf: Nummer eins, das Kommando hat sie. Nummer zwei, sie entscheiden sich gegebenenfalls nicht für die vernünftige, sondern immer für die abenteuerliche Lösung. Nummer drei, Tradition ist nie ein Argument. Caspar, der dringend Geld braucht und eine Bleibe sucht, hat quasi gar keine andere Wahl, als besagten Regeln zuzustimmen und die Stelle anzutreten, was er auch tut.

 Damit, dass sie noch am selben Tag auf eine Leiche stoßen, die sie während eines Spaziergangs durch den Wald in einem alten Forsthaus entdecken, rechnen sie natürlich nicht. Die taffe, lebenslustige, eigensinnige, lustige und gerne auch herrische Renée, ist sofort total begeistert, während sich Caspars Freude darüber definitiv in Grenzen hält. Dennoch beginnen die beiden, nach einem weiteren unerwarteten Ereignis, damit zu ermitteln. Die zwei stoßen auf einige, zum Teil verwirrende Spuren, die vielversprechendste führt das Duo zur ehrwürdigen Geographischen Gesellschaft Württemberg.

 Es hat so viel Spaß gemacht, diese beiden ungleichen Figuren zu begleiten, da bereits deren Dialoge herrlich amüsant sind. Renée ist wild, laut und imposant, was sie sich bedingt durch ihre gesellschaftliche Stellung auch bereits damals erlauben konnte. Renée bekennt sich auch öffentlich dazu, dass sie lesbisch ist, ein weiteres Tabuthema der damaligen Zeit. Sie ist leidenschaftlich in Lisbeth Kaufmann verliebt, daher darf Caspar auch dies und weitere Erlebnisse mit Renées Angebeteter, schriftlich festhalten. Dem ruhigen und zurückhaltenden Dichter, der die Welt in Zahlen und Farben einteilt und wahrnimmt, fällt es erstaunlich leicht, Renées Ausführungen zu Papier zu bringen, auch wenn er ihre Gefühle als Aromantiker nicht nachvollziehen kann. Mit den Ermittlungen rund um den Mord und den damit verbundenen Gefahren, tut er sich zunächst schwer, doch die beiden sind ein enorm gutes Team, das sich auch wunderbar ergänzt. Das Caspar etwas verbirgt, wissen die Leser*innen gleich zu Anfang. Das ist somit kein Geheimnis, dennoch war ich natürlich sehr neugierig darauf zu erfahren, was diesen plagt.

 Die Geschichte ist an sich ist gar nicht so extrem spannend, aber dennoch ist sie einnehmend und übte auf mich auch definitiv eine Sogwirkung aus. Ich folgte gebannt Renées und Caspars Fortschritten und fand es auch sehr interessant, was die beiden, auch mit Hilfe von Klara und Hector, beide Mitglieder der Geographischen Gesellschaft Württemberg, herausfinden. Die Geographischen Gesellschaft ist auch super interessant, diese ist bereits zur damaligen Zeit etwas verstaubt und veraltet, aber einige Mitglieder hatten und haben es auch faustdick hinter den Ohren.

 Da ich mehrmals im Jahr in Stuttgart bin und auch die Wilhelma, einen der Orte, an dem die Geschichte unter anderem spielt, gut kenne, hat es mir auch extrem gut gefallen, diese in der damaligen Zeit zu besuchen und die Unterschiede zu heute zu sehen. Auch das Örtchen, in dem das Anwesen von Renée steht, gefiel mir. Dieses, generell die Kulisse, und auch das Anwesen der Geographischen Gesellschaft, ist ebenfalls toll. Alle Orte und Gebäude verbreiten genau die passende Atmosphäre, was großartig ist. Man spürt die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat und auf jeden Fall auch zu ihren Charakteren. Allen voran natürlich zu Renée und Caspar, aber auch Klara ist toll ausgearbeitet, ebenso wie Miriam, die herrlich skurril ist. Keine der Figuren passt, ganz besonders im Hinblick auf die damalige Zeit, in ein Raster, was wundervoll ist. 

Ich hoffe daher sehr auf eine Fortsetzung und auf weitere Ermittlungen des ungleichen und inzwischen wunderbar eingespielten Teams.
 

 „Fräulein Renée und das kartografische Komplett“ von Kaja Grimme ist ein wundervoller historischer Kriminalroman, der die Geschichte der Fabrikantentochter und Erbin Renée, die sich fest vornimmt endlich Abenteuer zu erleben, und Chronist Caspar, den sie, da dieser besagte Abenteuer schriftlich festhalten soll, anstellt, erzählt. Dass beide eine Leiche finden, die kurz darauf spurlos verschwindet, ist für Renée ein Glücksfall und für Caspar ein Albtraum. Und doch, beginnen beide daraufhin gemeinsam zu ermitteln. Eine vielversprechende Spur führt sie zur Geographischen Gesellschaft Württemberg, was sie vor weitere Herausforderungen stellt. Doch Renée und Caspar ergänzen sich nicht nur wunderbar, sie sind beide auch ziemlich clever, liefern sich einen Schlagabtausch nach dem Nächten, und lösen, mit Hilfe ihrer Verbündeten, letztendlich den Fall. Ich wiederum, hatte daher rund um herrliche und mitreißende Lesestunden. 
 
 
 
Somit vergebe ich selbstverständlich 5/5 Flügel/Schwingen für dieses außergewöhnliche Buch!  
 
 
 

 
 
Gemäß § 2 Nr. 5 TMG kennzeichne ich diese Rezension als Werbung. In meinem Beitrag befindet sich (zu informativen Zwecken) eine Verlinkung zur Webseite des Verlags, in welchem das Buch erschienen ist. Ihr erhaltet somit auch weitere Informationen zum Buch, zum Autor, sowie eventuell auch zu weiteren Romanen.  
 

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